Cost Performance Index (CPI)

Hier kommen wir in einen sehr interessanten Bereich. Denn der CPI ist eine geniale Kennzahl. Keine Zahl sagt so viel in so einfacher Form über den Zustand eines Projekt auf seiner Kostenseite und auch seiner Leitung wie der CPI.

Das wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie der CPI ermittelt wird:

CPI = EV / AC

Was besagt dieser Wert? Nicht weniger als:

Wieviel Leistung in Euro habe ich für einen Euro Einsatz bekommen!

Die wiederrum bedeutet, dass eine CPI = 1 bedeutet, dass man für einen eingesetzten Euro einen Gegenwert von genau einem Euro zurück bekommen hat, bei einen CPI = 1,2 man €1,20 Wert pro Euro bekommen hat. Oder um es in eine einfache Regel zu fassen:

Je grösser, desto besser! Und der CPI sollte 1 sein… oder grösser!

Das Ganze kann ich auf die bisher geleistete Arbeit errechnen und auch, wenn man sich die "Mühe" gemacht auch zukünftige Arbeitspakete im ETC/EAC zu aktualisieren, auf das Gesamtprojekt.

Als Reportingzahl ist der CPI wesentlich besser geeignet als ETC und EAC, weil er sozusagen Change Request bereinigt ist. Da sich der EAC i.d.R. bei jedem CR verändert, hat ein CR keinen Einfluss auf den Index. Denn die Relation „Wieviel Euro bekomme ich pro eingesetztem Euro?“ wird davon nicht berührt.

Aber ein praktisches Beispiel. Erinnern wir uns an die Mauer, die um das Grundstück gebaut werden sollte:

Sie wollten eine Mauer um das Grundstück Ihres Ferienhauses bauen. Sie hatten ein Angebot für € 1000,- pro Seite. Und so hatten sie es – wenn auch als Time & Material – beauftragt.

Nun also geht es los: Der Tag beginnt, die Maurer rücken an. Und wirklich: Abends steht die erste Seite. Und der Meister teilt Ihnen schon mal mit, dass an Material und Lohn an diesem Tag € 1000,- gekostet hat.

Was wissen Sie nun:

    • AC = 1000,- (Reporting des Meisters)
    • EV = 1000,- (Ihr Plan pro Seite 1000,- auszugeben)
    • CPI = 1000 / 1000 = 1
    • Sie haben für jeden Euro genau diesen Wert bekommen.
    • Sie können daraus einen Trendanalyse treffen:
      • EAC     = ((BAC  –  EV )    + AC)   / CPI
      •  4000  = (4000 – 1000) + 1000) / 1
      • Der zu erwartende Gesamtaufwand entspricht dem Plan!

Am folgenden Tag wird nur eine halbe Mauer gebaut weil es schlechtes Wetter gab. Der Meister kommt abends und sagt Ihnen, dass diese halbe Mauer aber € 700,- gekostet hat. Und der Wetterbericht sagt, es bleibt weiterhin schlecht. Also können Sie davon ausgehen, dass sich das Problem fortsetzt.

Was wissen sie nun:

    •  AC = 1700,- (Reporting des Meisters)
    • EV = 1500,- (Ihr Plan pro Seite 1000,- auszugeben aber erst 1 ½ Mauern fertig)
    • CPI = 1500 / 1700 = 0,88
    • Sie haben für jeden Euro 88 C€nt Gegenwert erhalten.
    • Sie können daraus einen Trendanalyse treffen:
      • EAC         = ((BAC  –  EV )    + AC)   / CPI
      •  4772,73  = (4000 – 1500) + 1700) / 0.88
      • Wenn das Wetter schlecht bleibt, legen Sie sicherheitshalber schon mal € 545,45 mehr auf Ihr Konto.

So können also zwei Dinge mit dem Cost Performance Index machen:

  1. Sie können feststellen und dem Auftraggeber berichten wie gut das Projekt auf der Kostenseite läuft.
  2. Sie können Trends für die Zukunft ermitteln.

Letzteres ist dann besonders wertvoll, wenn sich eine Problematik eben als generelles Problem erweist. Z.B. wenn man einen nicht von einem selbst erstellten aber falschen (zu niedrig geschätzt oder zu viele Puffer) Plan im Projekt verantworten muss. Dann zeigt es schnell auf, dass eine Anpassung des Plans und den zu erwartenden Kosten vielleicht sinnvoll wäre.

Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

 

In diesem Graph kann man den Verlauf eines Projekts (dunkelblauer Graph) erkennen: Bei Übernahme des laufenden Projekts schien alles in Ordnung. Nach Einführung des Controlling stellte sich schnell heraus, dass der Plan zu optimistisch war. Der CPI fiel auf 0,85. Daraufhin wurde ein Teilprojekt beendet, indem nur noch angefangene Themen zu Ende geführt wurden und der Rest dem  Violettem - welches noch nicht gestartet war - zugeschlagen. Nach Re-Planning waren alle Teilprojekte, und damit das Projekt, auf CPI 1.

Was aber sagt der Graph des Hellblauen Teilprojekts? Richtig: Kein Controlling! Denn es war Festpreis vergeben an einen Sub-Contracter, und wir verfolgten lediglich den Fortschritt. Die Kosten waren vertraglich geregelt und lagen immer auf den Lieferterminen. Daher CPI 1.

An dieser Stelle möchte ich den Teams der gelben und des violetten Teilprojekts nochmals „Danke“ für die hervorragende Leistung!

3 Comments

  1. Hier stimmt was komplett nicht. Sie geben hier für den EAC die Formel

    EAC         = ((BAC  –  EV )    + AC)   / CPI


    Auf der Seite mit den Kennzahlen steht aber dass der EAC wie folgt berechnet wird:

    EAC = AC + ETC

    Das würde aber bedeuten, dass die Formel für EAC so aussehen müsste:

    EAC         = AC + ((BAC  –  EV )  / CPI)


    Was zu komplett anderen Ergebnissen führt. Nämlich wäre der EAC dann 4540,91 nicht 4545,45 wie in Ihrem Beispiel und auch nicht 4772,73 wie in meinem Beispiel.

    Was stimmt denn nun?

    1. Ich glaube du hast Recht. Es macht ja auch keinen Sinn die tatsächlich angefallenen Kosten (AC) nochmal um einen Korrekturfaktor (CPI) zu korrigieren. Sie sind ja bereits realisiert. Die korrekte Formel wäre demnach:

      EAC         = AC + ((BAC  –  EV )  / CPI)

      Also die aktualisierter Schätzung des Gesamtaufwands ergibt sich als Summe des bereits angefallenen Aufwands (AC) und dem erwarteten Restaufwand (ursprüngliche Schätzung abzüglich dem, was bereits erreicht ist), korrigiert um den Cost Performance Index (also das was wir im Projekte über etwaige Kostensteigerungen/ -einsparungen gelernt haben).

  2. Bernhard Schloß .... Hallo Bernhard, habe es auch nochmal nachgerechnet bekomme dasselbe raus.


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