Definition Projekt in Abgrenzung zur Produktion

Ein Projekt ist ein zeitlich befristetes Vorhaben um ein vereinbartes Ergebnis mit gegebenen Mitteln zu erreichen (s. auch weitere Projektdefinitionen).

Ein Projekt grenzt sich darüber hinaus von der Produktion darin ab, dass die Bearbeitungszeit im Verhältnis der Durchlaufzeit relativ groß ist.

Bei Anteilen von <10% spricht man von Produktion - bei Anteilen >20% sicher von Projekt.

Was heißt Projekt im Kontext von Projekten?

Diese Abgrenzung hat weitreichende Auswirkung für das Projektmanagement und hilft vor allem die Unterschiede zwischen den agilen und den klassischen Ansätzen zu verstehen.

Produktion

Von Produktion spricht man bei einem Anteil der Bearbeitungszeit zur Durchlaufzeit kleiner 10%. Wenn man sich z.B. die Produktion von einer Schraube, einem Auto oder einem elektronischen Gerät betrachtet sieht das immer wie folgt aus: Das Produkt wird in vielen kleinen Teilen produziert. Viele dieser kleinen Teile bilden zusammen ein Produktionslos (Batch). Aus Sicht des einzelnen Teils besteht der größte Teil der Durchlaufzeit aus "warten". Warten in einer Palette, dann transportierten, herausholen, kurz bearbeiten, wieder in eine Palette, transportieren u.s.w. - zwischen den einzelnen Bearbeitungsschritten entstehen relativ lange Wartezeiten.

Das was sich jetzt vielleicht negativ anhört hat aber große Vorteile. Durch die verhältnismäßig kurzen Bearbeitungszeiten kann man die einzelnen Zeiten recht genau schätzen. Wenn eine Zeit einmal überschritten wird kann sie sich mit der Unterschreitung des nächsten ausgleichen und fällt nicht ins Gewicht. Wenn mehrere Teile parallel zu bearbeiten sind erhält man durch die langen Wartezeiten die Möglichkeit die Reihenfolge der Teile vor jedem Arbeitsschritt zu vertauschen und kann so jeden beliebigen Termin einhalten. Der Work-In-Progress lässt sich leicht Begrenzen, da er sehr überschaubar ist.Produktionsteuerungen sind extrem einfach (s. Henry-Ford, Scrum, Kanban, Drum-Buffer-Rope oder Simplified-Drum-Buffer-Rope).

Hierfür muss man aber einen Preis bezahlen: man muss alle Vorhaben in kleinste und unabhängige Teilaufgaben zerlegen und man braucht irgendwo Warteschlangen (Puffer oder Backlogs) die die mittlere Durchlaufzeit erhöhen.

Wenn man sich nun die agilen "Projektmanagement"-Methoden betrachtet wird man feststellen, dass diese im Kern Produktionssteuerungen sind - kleine Teilaufgaben, unabhängige Teilaufgaben, Puffer in Kanban, Backlog in Kanban und Scrum. Auf der Speed4Projects findet sich eine Gegenüberstellung der Steuerungen in Form einer Simulation - dies ist gleichzeitig auch eine Beschreibung von Drum-Buffer-Rope.

Projekt(ion) oder Projektmanagement

Von Projekten oder Projektmanagement spricht man wenn der Anteil der Bearbeitungszeit zur Durchlaufzeit größer als 20% beträgt. Hierbei wird vor allem der kritische Pfad oder, wenn man die Ressourcenverfügbarkeit mit betrachtet, die kritische Kette (Critical Chain) betrachtet. Das Ziel im Projektmanagement ist typischerweise das vereinbarte Ergebnis in der kürzest möglichen Zeit zu erbringen. Hierzu sind die echten Abhängigkeiten zwischen den Arbeitspaketen zu betrachten. Die Arbeitspakete sind hierbei optimal mit Ressourcen zu versorgen, so dass die Projektlaufzeit minimal wird.

Im Gegensatz zur Produktion strebt man nun aber einen Anteil der Bearbeitungszeit an der Durchlaufzeit von 100% an (wird selten wirklich erreicht - typisch sind effektiv 50-80%). Hieraus ergibt sich, dass man folgende Eigenschaften von Projekten explizit managen muss: die Abhängigkeiten, die Streuungen in den Schätzungen und die operative Ressourcenzuordnung im Multiprojektmanagement. Projektmanagement ist etwas aufwändiger (s. Critical Chain Projektmanagement).

Bei Projekten muss man daher: ausreichend konzeptionieren und planen, so dass die Arbeitspakete und ihre Abhängigkeiten klar werden, muss die Aufwände schätzen um die Ressourcenzuordnung sicher zu stellen und die Streuungen in den Arbeitspaketen abpuffern am Projektende oder im Projektportfolio.

Der Lohn hierfür ist die optimal kurze Durchlaufzeit.

Multiprojektmanagement

Im Multiprojektmanagement kommt es zu einer Kombination aus beiden Welten. Die strategische Planung der Projekte - Terminierung richtet sich nach der Ressourcenverfügbarkeit einer Engpassressource. Diese wird typischerweise wie die Engpassressource in einer Produktion gesteuert - also mit Drum-Buffer-Rope.

Das Einzelprojekt wird dann wiederum über die Zeiten und Abhängigkeiten der Arbeitspakete gesteuert - also mit Hilfe Critical Chain Projektmanagement.

Großprojekte

In Großprojekten kommt es wiederum zu einer neuen Situation. Innerhalb eines Großprojektes gibt es unterschiedliche Phasen und unterschiedliche Teilprojekte. Je nach Phase und Teilprojekt kann es sein, dass entweder eine Produktionssituation oder eine Projektsituation vorliegt. Großprojekte weisen hierbei folgenden generischen Projektaufbau auf:

Um die Produktionssteuerungen in der Umsetzung sinnvoll nutzen zu können müssen diese aber noch an die Projektwelt angepasst werden - ein Beispiel hierfür ist Reliable Scurm, das Scrum um eine korrekte Terminfindung und Projektpuffer ergänzt.

Unternehmen, die in Zukunft das Optimum an Durchsatz erreichen wollen müssen daher sowohl Produktions- als auch Projektsteuerungen aus den FF beherrschen und situationsbezogen korrekt anwenden können. Da alle drei bekannten Steuerungen hier vereint sind bietet sich der Begriff Projektmanagement 3.0 an.

Hintergrund zu Abgrenzung von Projekt zu Produktion

Die Produktionssteuerungen wurden in folgenden Generationen entwickelt:

Jahr und Urheberein Eindruckschematische Darstellung
1913 Henry Ford

Begrenzung des WIP über die Fläche vor jeder Arbeitsstation

Eigenschaften:

+ ultimativer Durchsatz

-  keine Flexibilität (nur ein Modell und das auch noch schwarz!)

1953 Taiichi Ohno (Kanban)

Begrenzung des WIP durch den Bestand (Paletten) vor jeder Arbeitsstation

Eigenschaften:

+ flexible Modellvarianten möglich

+ einfache Steuerung über Kanban-Karten

-  hoher Bestand (Puffer vor jeder Arbeitsstation)

-  träge, sehr empfindlich auf Änderungen des Bedarfs und Aufgaben

2005 Eliyahu Goldratt (Drum-Buffer-Rope)

Begrenzung des WIP an der Engpassstation. Nur noch ein Puffer vor dem Engpass. Dieser steuert den Start von neuen Aufträgen und terminiert das Auftragsende.

Eigenschaften:

+ volle Flexibilität

+ einfache Steuerung über den Füllstand des Puffers vor dem Engpass

+ minimaler Bestand (nur ein Puffer)

+ kompatibel zu Projektsteuerungen wie Critical Chain

-  aufwändiger als Kanban in der Vermittlung und Anwendung

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